Die ETF-Staffel, Teil 4: Warum der ETF für die meisten Menschen gewinnt

02.09.2026 · Kategorie: Grundlagen & Steuern

⏱ Kurz gesagt: Nach drei kritischen Teilen kommt das versprochene Urteil, und es fällt zugunsten des ETFs aus. Über zehn Jahre schlägt weniger als jeder sechste aktive Fondsmanager den S&P 500, über zwanzig Jahre liegen rund 92 % der US-Aktienfonds hinter ihrem Vergleichsindex. Selbst wenn man die schärfste Gegenstudie zu dieser Statistik ernst nimmt, verliert immer noch die Mehrheit. Der eigentliche Grund für das Urteil ist aber ein anderer.

Ich habe in Teil 1 versprochen, dass diese Staffel pro ETF endet, und ich löse das jetzt ein. Wer die letzten drei Mittwoche gelesen hat, weiß, dass ich Konzentration, Kosten und Themenfonds kritisch sehe. Genau deshalb ist mir dieser Schlussteil wichtig: Kritik an Auswüchsen ist keine Kritik am Werkzeug.

Die Zahlen, an denen niemand vorbeikommt

Die bekannteste Auswertung zu dieser Frage vergleicht seit fünfundzwanzig Jahren aktiv gemanagte Fonds mit ihren Vergleichsindizes. Die aktuellen Werte sind deutlich. Im jüngsten Auswertungsjahr blieben 79 % der aktiven US-Aktienfonds mit großen Standardwerten hinter dem S&P 500 zurück, nach 65 % im Jahr davor. Über zehn Jahre schafft es weniger als jeder sechste Manager, den Index zu schlagen. Über fünfzehn Jahre gab es in keiner einzigen der zweiundzwanzig untersuchten US-Aktienkategorien eine Mehrheit, die vorn lag. Auf zwanzig Jahre gerechnet liegen rund 92 % zurück.

Das sind keine Zahlen, über die man diskutiert. Das sind Zahlen, gegen die man antritt, wenn man Einzeltitel auswählt, und ich tue das mit offenen Augen.

Die Gegenstudie, die man kennen sollte

Zur Redlichkeit gehört, dass diese Statistik nicht unbestritten ist. Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung, die von einem Verband aktiver Vermögensverwalter unterstützt wurde, wirft der Auswertung methodische Schwächen vor. Kernpunkt: Gezählt wird jeder Fonds gleich, egal ob winzig oder milliardenschwer. Rechnet man stattdessen nach verwaltetem Vermögen, sinkt der Anteil der Verlierer über zwanzig Jahre von 92 % auf etwa 55 %.

Diesen Einwand halte ich für berechtigt und nenne ihn deshalb, statt ihn wegzulassen. Nur ändert er das Ergebnis nicht: Auch 55 % sind eine Mehrheit. Wer aktiv anlegt, tritt selbst nach der freundlichsten Rechnung gegen einen Gegner an, der öfter gewinnt als er. Und diese 55 % gelten für Profis mit Analystenteams, nicht für jemanden, der abends nach der Schicht Geschäftsberichte liest.

Der eigentliche Grund ist nicht die Rendite

Jetzt kommt das Argument, das mir wichtiger ist als jede Statistik. Der breite ETF gewinnt für die meisten Menschen nicht deshalb, weil er die höhere Rendite bringt, sondern weil er am wenigsten von ihnen verlangt.

Er braucht keine Titelauswahl und keine Bilanzkenntnisse. Er braucht keine schriftlichen Regeln, keine Obergrenzen, keine Verkaufsdisziplin. Er kostet zwischen 0,03 und 0,10 % im Jahr, und es gibt ihn in Deutschland als Sparplan ab 1 € im Monat. Vor allem schützt er vor dem teuersten Fehler überhaupt, nämlich gar nicht anzufangen, weil einem das Thema zu kompliziert erscheint.

Unser Familiensystem verlangt das Gegenteil. Es kostet Zeit, Wissen und die Bereitschaft, sich an eigene Regeln zu halten, auch wenn sie gerade unbequem sind. Wer das nicht aufbringen will oder kann, fährt mit einem breiten Index mit hoher Wahrscheinlichkeit besser als mit halbherzigem Aktien-Sammeln. Das ist keine Höflichkeitsfloskel zum Abschluss, sondern meine ehrliche Einschätzung nach mehreren Jahren mit beidem.

Wo der ETF an seine Grenze kommt

Eine Einschränkung bleibt, und sie ist der Grund, warum es diese Seite überhaupt gibt. Ein thesaurierender Index-ETF baut Vermögen auf, er liefert aber kein laufendes Einkommen. Wer daraus Geld entnehmen will, muss Anteile verkaufen, und zwar auch dann, wenn die Kurse gerade gefallen sind. Das ist rechnerisch elegant und psychologisch schwierig; ich habe darüber in einem eigenen Beitrag geschrieben.

Unser Weg zielt deshalb nicht auf den höheren Endwert, sondern auf einen Zahlungsstrom, von dem irgendwann echte Rechnungen bezahlt werden, ohne dass etwas verkauft werden muss. Das ist ein anderes Ziel, kein besseres. Wer nur den Endwert maximieren will, hat mit dem breiten ETF das passendere Werkzeug in der Hand.

Was ich jemandem raten würde, der mich fragt

Wer noch gar nicht investiert, fängt mit einem breiten, günstigen Index-ETF an und lässt ihn laufen. Wer das seit Jahren tut und zufrieden ist, sollte nicht wechseln, weil er einen kritischen Blogbeitrag gelesen hat. Wer Freude an Unternehmen hat, Zeit mitbringt und bereit ist, sich schriftliche Regeln zu geben, kann Einzeltitel dazunehmen, sollte damit aber klein anfangen und ehrlich mitschreiben, wie er abschneidet.

Und wer wissen will, wie viel Kopfarbeit hinter dem anderen Weg steckt, bevor er ihn einschlägt: Genau das zeigt der Premium-Beitrag Das Vermögensaufbau-Depot im Detail, in dem alle zwanzig Positionen offenliegen, samt Rolle, Kennzahlen und der Begründung, warum jede einzelne drin ist.

Zum Mitnehmen

Die Staffel endet dort, wo sie begonnen hat, nur mit mehr Zahlen im Gepäck. Der breite Index-ETF ist konzentrierter, als viele denken, und in seiner Themen-Variante ein teures Missverständnis. Als Ganzes bleibt er trotzdem das beste Werkzeug für die große Mehrheit, weil er wenig kostet, wenig verlangt und den größten Fehler verhindert. Unser eigener Weg ist die Ausnahme, die man sich bewusst aussucht, mit offenen Augen für den Aufwand. Was das für deine eigene Sparrate bedeutet, rechnet der Einkommens-Planer in zwei Minuten durch.

Zum Weiterlesen (allgemeine, unabhängige Quellen):

  • S&P Dow Jones Indices, SPIVA U.S. Scorecard (Anteil aktiv gemanagter Fonds hinter dem Vergleichsindex über 1, 10, 15 und 20 Jahre)
  • Cremers, Fulkerson, Riley (2026): Untersuchung zur Methodik der SPIVA-Auswertung, unterstützt vom Active Managers Council der Investment Adviser Association (vermögensgewichtete Betrachtung)
  • Kostenvergleiche breiter Index-ETFs, Stand 2026

Hinweis: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, weder für noch gegen ETFs oder einzelne Anlagewege. Die genannten Statistiken beschreiben Durchschnitte über viele Fonds und Zeiträume; sie sagen nichts über einen bestimmten Fonds und nichts über die Zukunft. Vergangene Wertentwicklung ist kein Hinweis auf künftige Ergebnisse. Der Autor investiert selbst in Einzelaktien nach dem Regelwerk dieser Website und hat damit ein Interesse daran, diesen Weg für vertretbar zu halten, ein möglicher Bias, den du beim Lesen kennen solltest. Details: Disclaimer & Risikohinweis.

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