Mindset & Alltag6 Min. LesezeitJohannes Granko

Die Budget-Lebenslinie: Wie du dein Geld aufteilst, vom Taschengeld bis zur Gehaltsspitze

Kurz gesagt Eine Regel trägt vom ersten Taschengeld bis zur Gehaltsspitze: Zuerst wandert ein Teil des Geldes zur Seite, dann wird ausgegeben. Mit dem Alter ändert sich nur, wie groß dieser Teil sein kann und wofür er zuerst gebraucht wird. Am engsten wird es mit Kindern: Paare mit einem Kind gaben laut Statistischem Bundesamt 2018 im Schnitt 763 € im Monat für das Kind aus.

Viele Budgetregeln sind für Angestellte mit festem Gehalt und ohne Kinder geschrieben. Dabei verschiebt sich die Aufteilung im Laufe eines Lebens mehrmals, von 1 oder 2 € Wochengeld bis zum höchsten Einkommen des Berufslebens. Eine Regel bleibt gleich: Zuerst legst du einen Teil zur Seite, danach gibst du den Rest aus. Wer spart, was am Monatsende übrig ist, spart meist wenig. George S. Clason beschrieb das schon ab 1926 in seinen Gleichnissen „Der reichste Mann von Babylon“: Die sogenannten notwendigen Ausgaben wachsen, bis sie das Einkommen erreichen. Seine erste Regel: von zehn Münzen nur neun ausgeben. Ich habe selbst zwei kleine Kinder, also fange ich bei den Jüngsten an.

Kind: Die Spardose kommt zuerst

Orientierung für die Höhe gibt das Deutsche Jugendinstitut (DJI), das seine Empfehlungen im September 2025 neu gefasst hat.

AlterEmpfehlung des DJI 2025
unter 61 bis 2 € pro Woche
6 bis 72 bis 3 € pro Woche
8 bis 93 bis 4 € pro Woche
10 bis 1115 bis 25 € im Monat
12 bis 1320 bis 30 € im Monat
14 bis 1525 bis 45 € im Monat
16 bis 1740 bis 60 € im Monat (wirtschaftlich noch abhängig, etwa Schüler)

Dem DJI ist wichtig, dass das Geld regelmäßig und ohne Bitten kommt und das Kind frei darüber verfügt. Die Spardose-Regel darf deshalb kein Abzug durch die Eltern sein. Du kannst sie vorschlagen, entscheiden muss das Kind: Von 4 € wandert dann zuerst 1 € in die Dose, über die übrigen 3 € bestimmt es selbst. Für größere Geldgeschenke nennt das DJI drei gleiche Teile als Orientierung. Einer steht zur freien Verfügung, der zweite ist für kurzfristige Wünsche gedacht, und der dritte wird langfristig gespart.

Seit dem 21. Oktober lässt sich das üben. Die Taschengeld-Woche ist ein kurzes Spiel für Kinder ab acht, in dem 10 € bis zum Kinobesuch am Samstag reichen müssen. Auf der Werkzeuge-Seite liegt dazu der kostenlose Taschengeld-Planer.

Jugendliche: erstes eigenes Geld, erste leise Abbuchungen

Ab etwa zwölf empfiehlt das DJI zusätzlich ein zweckgebundenes Budgetgeld für wiederkehrende Ausgaben; allein der Teil für Handy, Internet und Abos liegt bei 15 bis 25 € im Monat. Aus der Spardose wird ein kleiner Haushalt mit Fixkosten. Den Handyvertrag schließen trotzdem die Eltern ab. Der Taschengeldparagraf, § 110 BGB, deckt nur Käufe, die Minderjährige vollständig mit dem ihnen überlassenen Geld bezahlen, und laufende Monatszahlungen gehören laut DJI nicht dazu. Die Rate selbst kann aber aus dem Budgetgeld kommen.

Ein Abo für 4,99 € fällt kaum auf; drei davon kosten knapp 15 € im Monat, so viel wie dieser Teil des Budgetgelds am unteren Rand der Empfehlung. Das DJI rät, alle Abos mit Fälligkeit aufzuschreiben und den Tarif einmal im Jahr zu prüfen. Es ist dieselbe Abo-Inventur, die ich Erwachsenen in der Haushaltsrechnung empfohlen habe, nur ein Jahrzehnt früher.

Berufseinstieg: erst der Puffer, dann die Rate

Vor dem ersten Sparplan gehört ein Notgroschen aufs Tagesgeldkonto. Ich halte drei Netto-Monatsgehälter für eine vernünftige Größe. Ohne diesen Puffer wird bei der ersten kaputten Waschmaschine das Depot geplündert. Einen Dispo, also ein überzogenes Girokonto, gleichst du vorher aus, weil Konsumkredite ein Vielfaches dessen kosten, was ein Depot verlässlich bringt.

Die Formel 50/30/20 geht auf das US-Buch „All Your Worth“ (2005) von Elizabeth Warren und ihrer Tochter Amelia Warren Tyagi zurück: 50 % des Nettoeinkommens für das Notwendige, 30 % für Wünsche, 20 % fürs Sparen und Schuldentilgen. Als Startpunkt taugt sie, weil man sie sich merken kann. Für kleine Einkommen geht sie nicht auf. Haushalte mit weniger als 1.300 € netto im Monat zahlten 2023 laut Statistischem Bundesamt allein für Lebensmittel und Wohnen im Schnitt rund 780 €. Das ist mehr als die Hälfte ihres Einkommens, und Kleidung oder Fahrtkosten sind da noch nicht bezahlt.

Mein Rat: Wenn 20 % nicht drin sind, fang mit 5 % an. Es zählt die Quote, also der Anteil deines Nettos, der zuerst zur Seite geht. Wer 2026 mit der Mindestvergütung von 724 € in die Ausbildung startet, behält nach Sozialabgaben rund 571 €, wie in Das erste Gehalt überschlagen; 5 % davon sind knapp 29 €. Die Gewohnheit ist dieselbe wie bei 5 % von 3.000 €. Mit jeder Gehaltserhöhung wandert ein Teil des Plus zusätzlich in den Sparplan, bis du bei 20 % ankommst.

Familienphase: Der größte Posten heißt Kind

Paare mit einem Kind gaben laut Statistischem Bundesamt 2018 im Schnitt 763 € im Monat für das Kind aus. Die Summe wirkt hoch, weil der Anteil des Kindes an Wohnen, Essen und Kleidung mitzählt; darauf entfiel knapp die Hälfte. Für Kinder unter sechs waren es 679 €, für Jugendliche von 12 bis unter 18 Jahren 953 €. Das Bundesamt hat die Auswertung mit dieser Ausgabe eingestellt. Die Verbraucherpreise lagen im August 2026 um gut ein Viertel über dem Schnitt von 2018. Rechne ich nur diese Teuerung drauf, landet ein Kind bei knapp 1.000 € im Monat; das ist meine eigene Überschlagsrechnung. Das Kindergeld von 259 € deckt davon etwa ein Viertel.

Dass deine eigene Sparquote in dieser Phase schrumpft, ist in Ordnung, solange sie nicht ganz verschwindet. Willst du zusätzlich für dein Kind sparen, lies vorher den Beitrag zur Frühstart-Rente: Ein Depot auf den Namen des Kindes gehört dem Kind. Die Depots meiner Kinder laufen bewusst auf ihre Namen.

Ab Mitte 50: die Jahre mit dem größten Hebel

Vollzeitbeschäftigte ab 55 verdienten zum Stichtag 31.12.2025 laut Bundesagentur für Arbeit im Median 4.362 € brutto im Monat. Median heißt: Die eine Hälfte verdient mehr, die andere weniger. Die 25- bis 54-Jährigen kamen auf 4.286 €, Beschäftigte unter 25 ohne Auszubildende auf 3.202 €. Beim Gehalt ist der Abstand der ältesten zur mittleren Gruppe mit gut 76 € klein. Mehr bewegt etwas anderes: Irgendwann stehen die Kinder auf eigenen Füßen, und ihr Budgetposten wird weitgehend frei.

Deshalb rate ich, in diesen Jahren die höchste Sparquote des Lebens anzupeilen. Ein Rechenbeispiel mit den 953 € für Jugendliche von 2018, ohne Teuerung und ohne den Wohnanteil von 237 €, weil die Wohnung meist bleibt: Frei werden 716 €. Du gönnst dir die eine Hälfte und legst die andere an, 358 € im Monat. Nach fünfzehn Jahren hast du 64.440 € eingezahlt. Bei angenommenen 6 % Rendite im Jahr, im Modell als 0,5 % pro Monat gerechnet, stehen dann etwa 104.000 € im Depot; der Unterschied sind Erträge.

Zum Mitnehmen

PhaseWas zuerst kommt
Kind1 von 4 € in die Spardose, das Kind entscheidet
JugendlicheBudgetgeld für Handy und Abos, zuerst die Spardose
BerufseinstiegNotgroschen, dann ab 5 % vom Netto Richtung 20 %
FamilieKinderkosten, die eigene Quote kleiner, möglichst nicht null
Ab Mitte 50frei gewordener Kinderposten, die höchste Quote des Lebens

Ab dem ersten Gehalt heißt das praktisch: ein Dauerauftrag zum Zahltag, erst aufs Tagesgeld, bis der Notgroschen steht, danach in den Sparplan. Wähle eine Quote, die du auch in einem teuren Monat hältst; der Einkommens-Planer rechnet dir aus, was daraus wird. Wie sich bei mir die 1.000 € Monatsrate des Vermögensaufbau-Depots auf 20 Titel verteilt, steht im Premium-Beitrag Depot im Detail.

Quellen

  • Deutsches Jugendinstitut: Expertise „Taschengeld und Gelderziehung“ (Chabursky/Langmeyer 2025, beauftragt von Geld und Haushalt/DSGV), S. 7 (Tabellen), 18 f. (§ 110 BGB), 30 f., 33 f. (Drei-Drittel-Lösung) und 39
  • Statistisches Bundesamt: Konsumausgaben von Familien für Kinder, EVS 2018 (letzte Ausgabe, eingestellt), S. 17 f.: Paare mit 1 Kind 763 €, davon 46,5 % für Ernährung, Kleidung, Wohnen; S. 22: 679 € (unter 6), 953 € (12 bis unter 18), davon Wohnen 237 €
  • Statistisches Bundesamt: Verbraucherpreisindex 2020 = 100, Jahresdurchschnitt 2018: 98,1 (Lange Reihen, Tab. 611xx-01); August 2026: 125,8 (Pressemitteilung Nr. 320 vom 10.09.2026)
  • Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr. 438 vom 09.12.2025 zur EVS 2023: unter 1.300 € netto 780 € im Monat für Lebensmittel und Wohnen
  • Bundesagentur für Arbeit: Presseinfo Nr. 27 vom 20.07.2026 und Entgeltstatistik Tab. 3.1: Median Vollzeit zum 31.12.2025, Kerngruppe ohne Auszubildende (unter 25: 3.202 €, 25 bis unter 55: 4.286 €, ab 55: 4.362 €)
  • § 110 BGB; § 66 Abs. 1 EStG und BA-Presseinfo Nr. 53 vom 04.12.2025: Kindergeld 259 €
  • Mindestvergütung für Berufsausbildungen 2026: BGBl. 2025 I Nr. 235, 724 € im ersten Jahr
  • George S. Clason: The Richest Man in Babylon (Hefte ab 1926; Magdalene Press 2016), „Seven Cures for a Lean Purse“, erste und zweite Regel (sinngemäß)
  • Elizabeth Warren, Amelia Warren Tyagi: All Your Worth, Free Press 2005 („Balanced Money Formula“)

Hinweis Keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Die Teuerungsanpassung der Kinderkosten von 2018 und das Ausbildungs-Netto sind eigene Überschlagsrechnungen. Die Modellrechnung unterstellt konstante 6 % Rendite im Jahr vor Kosten und Steuern und ist keine Prognose. Taschengeld-Höhen sind Orientierungswerte. Details: Disclaimer & Risikohinweis.

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