Was ist eigentlich eine BDC, und warum gehört sie nicht ins Kinderdepot?
Eine einzige Aktienklasse in unserem System ist gesetzlich dazu verpflichtet, praktisch ihren gesamten Gewinn auszuschütten. Deshalb zahlt sie uns fast 6 Prozent Dividendenrendite im Jahr, ausgeschüttet in zwölf Monatsraten. Und trotzdem steht für das Depot unserer Kinder eine glasklare Regel: 0 Prozent davon. Die Aktienklasse heißt Business Development Company, kurz BDC. Warum diese Rendite im einen Depot willkommen ist und im anderen nichts zu suchen hat, will ich hier erklären.
Was eine BDC überhaupt ist
Eine BDC ist im Kern ein börsennotierter Kreditfonds für Firmen, die zu klein oder zu speziell für die klassische Anleihe sind. Die Rechtsform wurde 1980 vom US-Kongress per Gesetz geschaffen (Small Business Investment Incentive Act), um mittelständischen US-Unternehmen Zugang zu Fremdkapital zu verschaffen. Eine BDC muss mindestens 70 % ihres Kapitals in „qualifizierende" Anlagen stecken – in der Praxis meist besicherte Kredite an private, nicht börsennotierte US-Mittelständler. Und weil die meisten BDCs zusätzlich als Regulated Investment Company (RIC) organisiert sind, gilt für sie eine Auflage, die ihr komplettes Rendite-Profil erklärt. Mindestens 90 % des steuerlichen Ertrags müssen jährlich an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Im Gegenzug zahlt die BDC selbst kaum Unternehmenssteuer, sie ist also eine Art Durchleitungs-Konstruktion, ähnlich einem REIT, der allerdings Immobilien im Bauch hat und keine Kredite.
Warum die Rendite so hoch ist – und was das kostet
Die 90-%-Pflicht ist der Grund, warum BDCs zu den höchsten Renditen im ganzen Dividenden-Universum gehören. Main Street Capital (MAIN), die BDC in unserem Vermögensaufbau-Depot, zahlt aktuell rund 0,265 $ Basis-Dividende pro Monat, macht auf Jahresbasis rund 5,7 bis 5,9 % Rendite, plus regelmäßige Sonderdividenden obendrauf, die je nach Jahr die Gesamtausschüttung Richtung 7 bis 8 % treiben. Bezahlt wird das mit echtem Risiko. Seit einer Gesetzesänderung 2018 dürfen sich BDCs bis zu einem Verhältnis von 2:1 Fremd- zu Eigenkapital verschulden (Asset-Coverage-Grenze 150 %; davor galt die konservativere 1:1-Grenze), und ihr Kerngeschäft ist Kreditvergabe an genau die Unternehmen, die als Erste in einer Rezession ausfallen. Wenn die Konjunktur dreht, trifft es BDCs doppelt, weil die Kreditausfälle steigen und der Hebel trotzdem hoch bleibt. Theoretisch ist dieses Risiko nicht, es steckt längst im Kurs, und genau daher kommt am Ende auch die hohe Rendite.
Unsere Regel: Rolle C – und ein eigener K.O.-Test
In unserem 4-Stufen-Trichter laufen BDCs wie alle Hochausschütter unter Rolle C, Cashflow-Lieferant (Rendite über 4 %). Weil eine BDC keinen klassischen Unternehmensgewinn ausweist, gilt bei der Ausschüttungsquote ein eigener Maßstab. Wir messen sie am Nettoertrag aus Investments (NII) und nicht am Gewinn je Aktie; die Auszahlung muss darunter bleiben. Zusätzlich gilt ein enger Klumpen-Deckel: Zyklische Cashflow-Titel wie BDCs und Midstream-Werte dürfen zusammen maximal 12 % eines Depots ausmachen. Von den 15 BDCs, die wir durchs Screening geschickt haben, sind die meisten durchgefallen. Am Geschäftsmodell lag das selten, fast immer an der Dividendenhistorie. Blue Owl Capital Corp und FS KKR etwa haben erst 6 beziehungsweise 2 Jahre ohne Kürzung vorzuweisen (Pflicht sind mindestens 10). Bestanden haben neben Main Street auch Ares Capital, Capital Southwest, Hercules Capital und Sixth Street Specialty, aber „bestanden" heißt bei uns noch lange nicht „im Depot".
Warum ausgerechnet Main Street Capital
Im Vermögensaufbau-Depot – dem 1.000-€-Depot von mir, dem Papa – halten wir bewusst nur eine einzige BDC. Main Street Capital wird, anders als die meisten Wettbewerber, intern gemanagt. Extern gemanagte BDCs zahlen ihrem Manager oft Gebühren in der Größenordnung von 2 % der Assets plus 20 % der Erträge über einer Hürde; bei Main Street liegt die gesamte Kostenquote bei rund 1,3 bis 1,4 % der Assets, und dieser handfeste strukturelle Vorteil bleibt Jahr für Jahr bei den Aktionären und landet nicht beim Management. Dazu kommt, dass monatlich gezahlt wird und nicht vierteljährlich, und eine überdurchschnittlich lange, ungekürzte Historie seit dem Börsengang 2007, Finanzkrise inklusive. Nach unserer konservativen Chowder-Formel (Rendite plus die kleinere der beiden Wachstumsraten aus 3 und 5 Jahren) kommt Main Street auf knapp 9,9 – über der Rolle-C-Schwelle von 8, aber ohne Ausreißer nach oben. Ares Capital, früher im selben Depot, wurde im Zuge der letzten Bestandsprüfung durch Main Street ersetzt. Beide fallen in dieselbe Klumpen-Kategorie, und in diesem Duell hat die günstigere interne Kostenstruktur gewonnen.
Warum 0 % im Kinderdepot
Und hier schließt sich der Kreis zum Umbau des Kinderdepots, den ich vor Kurzem offengelegt habe: Sowohl Main Street als auch Ares Capital standen dort im Altbestand und mussten raus. Nicht weil die Unternehmen schlecht sind, sondern weil die Rolle nicht passt. Ein Depot mit 40 Jahren Horizont braucht in erster Linie Dividendenwachstum und keine hohe laufende Ausschüttung; genau dafür ist die Rolle-B-Übergewichtung bei den Kindern da. Rolle C ist dort bewusst auf 0 % gesetzt. Dazu kommt der Risiko-Flag, den wir bei Main Street selbst führen: „Kreditzyklus ungetestet". Die BDC-Struktur in ihrer heutigen, stark gewachsenen Form hat noch keine ausgewachsene Rezession seit der Finanzkrise durchlaufen. Für ein Depot, das wir jahrzehntelang nicht anfassen wollen, ist das ein Risiko, das wir schlicht nicht eingehen müssen, wenn es Alternativen ohne dieses Flag gibt.
Zum Mitnehmen
Hohe Rendite ist bei BDCs gesetzlich erzwungen, und der Preis dafür heißt Kreditrisiko plus Hebel. Für ein Einkommensdepot mit Cashflow-Bedarf kann das genau richtig sein, mit engem Klumpen-Deckel und strenger Auswahl. Für ein Kinderdepot mit Jahrzehnten Zeit taugt es nicht, so einfach ist die Regel bei uns, auch wenn sie bei „bestandenen" Titeln manchmal wehtut. Ein Titel aus unserem Depot, der die Rendite ganz ohne dieses Risiko liefert, dazu noch ohne einen Cent Quellensteuer für deutsche Anleger, bekommt kommenden Sonntag seinen eigenen Deep Dive: Munich Re.
Hinweis: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Alle Zahlen nach bestem Wissen zusammengetragen (Stand Juli 2026, Quellen: Unternehmensmitteilungen Main Street Capital, SEC-Filings, allgemeine BDC-Regulatorik); Kennzahlen wie die Chowder-Zahl sind eigene Berechnungen nach dem Regelwerk dieser Website. Transparenz: Der Autor hält Main Street Capital selbst im Familiendepot (siehe Portfolio), ein Interessenkonflikt, den du beim Lesen kennen solltest. Details: Disclaimer & Risikohinweis.
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