Es geht nicht um die 1.000 €, Vermögensaufbau mit 50 € im Monat
⏱ Kurz gesagt: Die 1.000 € Monatsrate unserer Familie sind nur unser Beispiel, kein Mindesteinsatz. Unser Regelwerk besteht aus Prozent-Regeln für Trichter, Deckel und Rollen, und die rechnen bei 50 € genauso wie bei 1.000 €. Sparpläne gibt es heute ab 1 €, und unsere 10-Jahres-Modellrechnung lässt sich ehrlich auf ein Zwanzigstel herunterskalieren. Das größte Aber: Bei kleinen Raten wiegen Fixkosten prozentual dramatisch schwerer, eine 10-€-Gebühr auf eine 50-€-Order frisst 20 %. Wie du das abstellst, steht unten.
Als ich unser Vermögensaufbau-Depot mit seinen 1.000 € Monatsrate offengelegt habe, wusste ich, welcher Einwand kommen würde. Er kommt verlässlich, in jeder Variante von „Schön für euch, ich habe 50." Berechtigt ist er auch, denn wer öffentlich mit vierstelligen Raten rechnet, schließt gefühlt jeden aus, der kleiner anfängt. Deshalb heute die Gegenrechnung. Die 1.000 € sind bei uns über viele Jahre Unternehmerleben zusammengekommen; als Eintrittskarte hat sie nie jemand verlangt. Unser komplettes Regelwerk macht bei 50 € im Monat exakt dieselbe Arbeit, mit denselben Formeln. Und ich zeige dir die eine Stelle, an der kleine Raten wirklich aufpassen müssen.
Das Regelwerk fragt nicht nach deinem Kontostand
Unser 4-Stufen-Trichter prüft Unternehmen, dein Kontostand kommt in keiner der vier Stufen vor: mindestens zehn Jahre Dividende ohne Kürzung, Ausschüttungsquote unter dem Deckel, Investment-Grade-Bilanz, kein strukturell bedrohtes Kerngeschäft. Dasselbe gilt für die Klumpen-Regeln von maximal 10 % je Einzeltitel und maximal 25 % je Sektor sowie für den Rollen-Mix aus defensivem Anker, Wachstumsmotor und Cashflow-Lieferant. Das sind Prozentangaben. In Sparraten übersetzt heißt der 10-%-Deckel bei 1.000 € grob „höchstens 100 € in einen Titel", bei 50 € entsprechend „höchstens 5 €". Gerechnet wird mit derselben Formel, nur mit anderen Kommastellen.
Auch die Januar-Regel kennt keinen Mindestbetrag: Vorjahres-Dividenden durch zwölf teilen, Sparrate um das Ergebnis erhöhen. Sie funktioniert ab der ersten Ausschüttung, auch wenn die nur ein paar Euro beträgt.
Die Rückrechnung: unser Modell, geteilt durch zwanzig
Jetzt die Zahlen. Unsere 10-Jahres-Rückrechnung kommt für das 1.000-€-Depot auf 120.000 € Einzahlung und rund 6.190 € Jahresdividende im zehnten Jahr – ein Yield on Cost von 5,2 %. Teile alles durch zwanzig, und du hast die 50-€-Version: 6.000 € eingezahlt, rund 310 € Jahresdividende im zehnten Jahr, gut 25 € im Monat. Der Yield on Cost bleibt exakt gleich, denn Prozente kürzen sich nicht weg, wenn der Betrag schrumpft.
Zwei ehrliche Fußnoten gehören dazu. Die Zahlen oben sind linear herunterskaliert; ein echtes 50-€-Depot hält eher drei Titel als zwanzig und weicht durch Rundungen und Bruchstücke etwas ab. Und die Rückrechnung selbst ist eine Modellrechnung mit heutigem Wissen; sie bildet eine Größenordnung ab, mehr will sie gar nicht. Aber die stimmt, und darum geht es hier.
Der Einstieg kostet heute einen Euro
Die alte Ausrede „für kleine Beträge lohnt sich das nicht" ist technisch gestorben. Aktien- und ETF-Sparpläne gibt es bei mehreren deutschen Brokern, bei Neobrokern genauso wie bei klassischen Direktbanken, ab 1 € Mindestrate und vielfach ohne Ausführungsgebühr. Welcher zu dir passt, musst du selbst vergleichen; ich empfehle hier bewusst keinen. Die Hürde, an der Kleinsparer früher scheiterten, existiert schlicht nicht mehr.
Der ehrliche Haken: kleine Raten, große Prozente
Jetzt das Gegenargument, denn Prozente arbeiten in beide Richtungen. Unsere eigene Ordnungsregel sieht Einzelorders erst ab 500 € vor, wenn eine 10-€-Flat-Fee anfällt, denn das sind 2 % Kosten. Dieselbe Gebühr auf eine 50-€-Order wären 20 %. Ein Fünftel deiner Rate also verbrannt, bevor der erste Cent investiert ist. Bei kleinen Raten sind Fixkosten der gefährlichste Gegner, gefährlicher als jede Kursschwankung.
Die Abwehr besteht aus drei Bausteinen. Der erste sind kostenlose Sparpläne statt bezahlter Einzelorders. Damit fällt der 20-%-Fresser komplett weg. Zweitens zieht unser eigenes Regelwerk bei kleinen Raten eine klare Grenze. Unter etwa 200 bis 300 € im Monat ist ein breit gestreuter Welt-ETF die bessere Wahl als eine Handvoll Einzeltitel, denn die Streuung ist dort schon fertig eingebaut. Mit 50 € startest du also mit einem einzigen breiten Index, allerdings mit offenen Augen: Im S&P 500 steckt inzwischen rund ein Drittel des Geldes in nur sieben Tech-Konzernen, „breit" ist relativer, als der Name verspricht. Drittens kommt der Umstieg auf einzelne Titel erst, wenn die Rate wächst; Einzeltitel lohnen sich sinnvoll ab etwa 15 bis 20 Positionen, und die finanzierst du erst mit ein paar hundert Euro im Monat. Wer früher streuen und trotzdem Einzeltitel halten will, findet im Kinderdepot-Weg die Blaupause: rund 15 € je Titel, Streuung direkt aus dem System.
Was den Unterschied wirklich macht: die Rechnung dahinter
Bleibt die Frage, ob sich das lohnt. Rechnen wir das erste Jahr als einfache Modellrechnung: 50 € mal zwölf sind 600 €; bei der durchschnittlichen Startrendite unseres Depots von 3,0 % wären das rund 18 € Dividende im Jahr, gerechnet, als läge die volle Summe ab Tag eins im Depot. Real verteilt sich die Rate übers Jahr, im ersten Jahr kommt also eher die Hälfte an. Ich weiß, wie das klingt. Aber schau noch einmal auf die Rückrechnung oben: Aus 3,0 % Startrendite wurden im Modell 5,2 % Yield on Cost im zehnten Jahr. Dieser Sprung kam aus zehn Jahren Dividendenerhöhungen und stur weiterlaufenden Raten; mehr Geld brauchte er nicht. Die stärkste Variable im Modell ist die Zeit, und davon hat der 50-€-Sparer, der heute anfängt, exakt so viel wie ich.
Wenn du es lieber selbst ausprobieren möchtest: Unser kostenloses Spiel „Zeit schlägt Betrag" lässt dich genau dieses Duell durchspielen, der Zinseszins zum Anfassen, direkt im Browser.
Ein neues Werkzeug, passend zum Thema
Viele kleine Sparraten laufen auf ein konkretes Ziel zu, auf den Führerschein, das erste Auto oder einen Umzug. Genau dafür geht heute in unserer Werkzeuge-Ecke „Das Zielsparen" an den Start (100 Taler): Du trägst Sparziel, Startguthaben und Wunschtermin ein, das Werkzeug rechnet deine nötige Monatsrate, und beantwortet auch die umgekehrte Frage: „Was schaffe ich mit X € im Monat?" Die 100 Taler Startguthaben aus der Registrierung decken den Preis genau ab.
Mein Fazit: Die Rate ist eine Stellschraube, kein Türsteher
Fang mit der Zahl an, die dein Haushaltsbuch hergibt, und lass die Prozent-Regeln den Rest erledigen: Trichter für die Auswahl, Deckel gegen Klumpen, und die Januar-Regel füttert den Schneeball. Wächst die Rate später – und bei den meisten wächst sie –, muss am System nichts umgebaut werden; nur die Kommastelle wandert zurück. Und wenn du sehen willst, wie das voll ausgebaute Ende dieser Straße aussieht, welche 20 Titel bei uns monatlich Raten bekommen, wie die Rollen verteilt sind und warum vier Titel ab Jahr 12 keinen frischen Euro mehr sehen –, das steht im Depot-im-Detail-Beitrag (freischaltbar mit Talern, die es fürs Dranbleiben gibt, so funktioniert's).
Hinweis: Keine Anlageberatung; Modell- und Beispielrechnungen ohne Kosten und Steuern, linear skaliert, reale Depots weichen davon ab. Der Autor investiert selbst nach der beschriebenen Strategie. Details: Disclaimer & Risikohinweis.
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