Konsumkredite: der Zinseszins, der gegen dich arbeitet

16.09.2026 · Kategorie: Mindset & Alltag

⏱ Kurz gesagt: Der durchschnittliche Dispozins liegt bei 11,42 %, die geduldete Überziehung bei 13,22 %. Eine Dividendenrendite von 3,5 % bleibt nach Steuern bei 2,58 % übrig. Ein Dispo abzubauen bringt dir also gut das Vierfache dessen, was dasselbe Geld im Depot erwirtschaftet, und zwar ohne Risiko und ohne Steuer. Das ist die unromantischste und zugleich sicherste Rendite, die es gibt.

Auf dieser Seite geht es fast immer darum, wie Zinseszins für dich arbeitet. Heute geht es um die Rückseite derselben Formel. Sie ist mathematisch identisch, sie läuft nur in die andere Richtung, und sie ist deutlich schneller.

Die drei Zinssätze, die du kennen solltest

Fangen wir mit den nackten Zahlen an, alle aus offiziellen Erhebungen des Sommers 2026.

KreditformZins im Schnitt
Dispositionskredit (eingeräumter Rahmen)11,42 %
geduldete Überziehung (über den Rahmen hinaus)13,22 %
Ratenkredit, neu abgeschlossen8,35 %

Die Spanne beim Dispo ist beachtlich: Je nach Bank liegt er zwischen etwa 7 und 17 %. Es lohnt sich also, den eigenen Satz nachzuschlagen, statt ihn zu schätzen. Er steht im Preisaushang der Bank und in der Kontoübersicht.

Für 2.000 €, ein Jahr lang durchgehend in Anspruch genommen, heißt das: 228 € im Dispo, 264 € bei geduldeter Überziehung, 167 € beim Ratenkredit. Ein Ratenkredit ist damit im Schnitt gut ein Viertel günstiger als der Dispo, und er hat einen zweiten Vorteil: Er wird planmäßig getilgt, während ein Dispo Jahre stehen bleiben kann, ohne dass es jemandem auffällt.

Die Rechnung, die diese Seite eigentlich ausmacht

Jetzt der Teil, der mir wichtig ist. In unserem Cornerstone zum Leben von Dividenden rechne ich mit 3,5 % Ausschüttungsrendite. Davon gehen 26,375 % Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag ab, es bleiben 2,58 % netto. Und dafür trägt man Kursschwankungen, Kürzungsrisiko und den ganzen Aufwand.

Dem gegenüber steht ein Dispo mit 11,42 %. Wer ihn tilgt, spart genau diesen Zins. Auf ersparte Zinsen zahlt niemand Steuern, es gibt kein Kursrisiko und keine Kürzung. Die Tilgung bringt also gut das Vierfache dessen, was dasselbe Geld im Depot netto erwirtschaftet, bei geduldeter Überziehung sogar rund das Fünffache.

Anders gesagt: Dieselben 2.000 € bringen im Depot bei 3,5 % rund 70 € im Jahr, nach Steuern etwa 52 €. Im Dispo kosten sie 228 €. Der Unterschied zwischen beiden Wegen beträgt 177 € pro Jahr, und er fällt jedes Jahr wieder an.

Daraus folgt eine Reihenfolge, die keine Meinungsfrage ist: Erst der teure Kredit, dann der Notgroschen, dann das Depot. Wer investiert, während ein Dispo läuft, leiht sich Geld zu 11 %, um es zu 2,6 % anzulegen. Das klingt absurd, wenn man es so aufschreibt, und genau deshalb schreibe ich es so auf.

Die neue Form: kaufen jetzt, zahlen später

Der Dispo ist die alte Variante. Die neue heißt Buy now, pay later und steckt heute in fast jedem Online-Bezahlvorgang: in dreißig Tagen zahlen, in drei Raten teilen, in zwölf Raten strecken. Rund ein Drittel der Menschen in Deutschland nutzt solche Angebote, und besonders verbreitet sind sie bei den 18- bis 34-Jährigen.

Ich habe nichts gegen das Bezahlen in dreißig Tagen; für Rücksendungen ist es sogar praktisch. Zwei Dinge sollte man trotzdem wissen. Erstens summieren sich viele kleine Raten zu einer Verpflichtung, die auf keinem Kontoauszug als solche auftaucht: Drei Käufe in Raten sind drei Kredite. Zweitens melden Anbieter Zahlungsstörungen an Auskunfteien, und das merkt man erst Jahre später bei der Wohnungssuche oder der Autofinanzierung.

Die Zahl, die mich dabei am meisten beschäftigt: Die neuen Zahlungsstörungen sind gegenüber dem Vorjahresdurchschnitt um 13 % gestiegen. Das ist kein Beweis dafür, dass diese Angebote die Ursache sind, aber es ist auch kein Zufall in einem Markt, der genau in dieser Zeit gewachsen ist.

Was sich im November ändert

Es gibt eine Neuerung, die fast unbemerkt geblieben ist und für die viele Leser dieser Seite relevant sein dürfte. Künftig müssen auch Kleinkredite unter 200 € und Bezahl-später-Angebote einer vorherigen Kreditwürdigkeitsprüfung unterzogen werden. Die Regeln sind beschlossen und bis November 2026 umzusetzen.

Praktisch heißt das: Der Vorgang an der Kasse wird strenger, und mancher, der bisher problemlos in Raten kaufen konnte, wird abgelehnt. Das ist ärgerlich im Moment und langfristig vernünftig. Für dich heißt es vor allem, dass ein solcher Kauf ab dann sichtbarer wird als bisher.

Was praktisch hilft

Drei Schritte, in dieser Reihenfolge. Erstens den eigenen Dispozins nachschlagen und aufschreiben, mit Datum. Diese eine Zahl macht aus einem diffusen schlechten Gefühl eine konkrete Größe. Zweitens prüfen, ob ein dauerhaft in Anspruch genommener Dispo in einen Ratenkredit umgeschuldet werden kann; bei den genannten Durchschnitten spart das rund ein Viertel der Zinsen und erzwingt die Tilgung. Drittens jeden Bezahl-später-Kauf in derselben Liste führen wie Abos, denn er ist wirtschaftlich dasselbe: eine wiederkehrende Verpflichtung.

Und wenn die Summe größer ist, als sich aus dem laufenden Einkommen abbauen lässt, dann ist der richtige nächste Schritt nicht ein weiterer Kredit, sondern ein Termin bei einer gemeinnützigen Schuldnerberatung. Die ist kostenlos, sie ist nicht peinlich, und sie ist deutlich wirksamer als jeder Blogbeitrag.

Zum Mitnehmen

Zinseszins ist keine Belohnung für Fleiß, sondern eine Mechanik, und sie ist auf der Schuldenseite schneller als auf der Anlageseite. 11,42 % Dispo schlagen 2,58 % Netto-Dividendenrendite um mehr als das Vierfache, und anders als bei einer Dividende steht dieser Betrag vorher fest und wird nicht besteuert. Deshalb steht in unserer Reihenfolge die Tilgung teurer Kredite vor jedem Wertpapierkauf. Wenn du sehen willst, was aus dem frei gewordenen Betrag später wird, rechnet der Einkommens-Planer es dir durch. Und wie ein Depot aussieht, das aus solchen Beträgen entstanden ist, steht im Premium-Beitrag Das Vermögensaufbau-Depot im Detail.

Quellen:

  • Durchschnittliche Dispozinsen und Zinsen für geduldete Überziehungen nach Erhebung der Finanzaufsicht, Stand August 2026
  • Deutsche Bundesbank, Zinsen für neu abgeschlossene Ratenkredite, Stand Juni 2026
  • Verbraucherumfrage einer Auskunftei zur Verbreitung von Bezahl-später-Angeboten und zur Entwicklung neuer Zahlungsstörungen
  • Beschlossene Änderungen zur Kreditwürdigkeitsprüfung bei Kleinkrediten und Bezahl-später-Angeboten, umzusetzen bis November 2026

Hinweis: Keine Anlage-, Steuer- oder Schuldnerberatung, sondern allgemeine Orientierung. Die genannten Zinssätze sind Durchschnittswerte über viele Institute zum jeweils angegebenen Stichtag; dein eigener Satz kann erheblich abweichen und steht im Preisaushang deiner Bank. Die Vergleichsrechnung unterstellt 3,5 % Ausschüttungsrendite, 26,375 % Abgeltungsteuer samt Solidaritätszuschlag und keine Kirchensteuer; sie ist ein Modell und keine Prognose. Ob eine Umschuldung für dich sinnvoll ist, hängt von Vertragsbedingungen und Laufzeit ab. Wer laufende Verpflichtungen nicht mehr bedienen kann, findet bei den gemeinnützigen Schuldnerberatungsstellen kostenlose Hilfe. Details: Disclaimer & Risikohinweis.

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