Die Januar-Regel: Wie sich unser Depot selbst bespart
⏱ Kurz gesagt: Einmal im Jahr die Vorjahres-Dividenden durch zwölf teilen und die Sparrate um genau diesen Betrag erhöhen. Das ist die ganze Regel. Sie macht aus dem guten Vorsatz „Dividenden reinvestieren" einen Automatismus, der nicht an Disziplin scheitern kann. So bespart sich das Depot Jahr für Jahr stärker selbst.
Die wirkungsvollste Regel in unserem Regelwerk ist keine Aktienauswahl-Formel und kein Bewertungsmodell, und mit Timing hat sie schon gar nichts zu tun. Es ist ein Kalendereintrag: Jeden Januar nehmen wir die Dividenden des Vorjahres, teilen sie durch zwölf und erhöhen um genau diesen Betrag die monatliche Sparrate. Mehr ist es nicht, und genau deshalb funktioniert sie.
Das Problem, das sie löst, ist kein Rechenproblem
Jeder Anleger kennt den Rat, Dividenden zu reinvestieren. Fast niemand tut es konsequent. Nicht aus Dummheit, sondern weil Ausschüttungen tröpfeln: 12 € im Februar, 9 € im März, 15 € im April. Beträge, für die niemand eine Order aufgibt. Sie sammeln sich auf dem Verrechnungskonto, sehen dort nach „Reserve" aus, und irgendwann bezahlt man davon eben doch die Autoreparatur. Das hat nichts mit Charakterschwäche zu tun, das ist schlicht menschlich, und deshalb darf die Lösung gar nicht erst von Disziplin abhängen.
Die Mechanik
Die Januar-Regel macht aus vielen kleinen Entscheidungen eine einzige pro Jahr:
- Im Januar zählst du zusammen, was das Depot im Vorjahr an Dividenden ausgeschüttet hat.
- Du teilst die Summe durch zwölf.
- Um diesen Betrag erhöhst du die monatliche Sparrate, fertig bis nächsten Januar.
Ein Beispiel aus unserer Familie: Das große Kinderdepot, das umgebaute 22.000-€-Depot unserer Tochter, schüttet nach aktuellem Stand rund 460 € im Jahr aus. Ab Januar steigt die Sparrate also um rund 38 € im Monat, zusätzlich zu den regulären Raten und automatisch per Dauerauftrag. Das Depot hat sich damit selbst eine Gehaltserhöhung gegeben. Und weil die Dividenden Jahr für Jahr wachsen, wächst auch diese Erhöhung Jahr für Jahr. Der Zinseszins bekommt damit einen festen Termin im Kalender und hängt nicht mehr daran, ob ich gerade Lust habe, eine Order aufzugeben.
Warum nicht einfach automatisch reinvestieren?
Manche Broker bieten das ja an, die Frage ist also berechtigt. Wir gehen aus drei Gründen den Umweg über die Sparrate. Der erste ist die Steuerung: Automatische Wiederanlage kauft stur den Zahler nach, während die Januar-Regel das Geld durch unsere normalen Sparraten schleust, und die folgen dem Rebalancing, also bekommen Untergewichte mehr und Übergewichte werden ausgehungert. So bleibt jede Grenze im Depot von einer Formel bewacht. Dazu kommen die Ordergrößen. Gesammelt und auf die Raten verteilt entstehen sinnvolle Blöcke statt Kleinstkäufe, an denen nur die Gebühren verdienen. Und drittens die Psychologie: Einmal im Januar eine Zahl in den Dauerauftrag zu tippen schafft ein Ritual, und Rituale überleben Börsenphasen, in denen bloße Motivation längst aufgegeben hätte.
Der stille Effekt über 20 Jahre
In unserer 10-Jahres-Rückrechnung steckt die Januar-Regel bereits drin – sie ist ein Grund, warum aus 1.000 € Monatsrate im Modell nach zehn Jahren über 6.000 € Jahresdividende wurden. Das Prinzip dahinter ist dasselbe wie beim Schneeball: Am Anfang wirkt es lächerlich klein. 38 € mehr Rate klingen nach nichts. Aber diese 38 € kaufen Anteile, die selbst ausschütten, was die nächste Januar-Erhöhung größer macht, die wieder Anteile kauft. Wer das zwanzig Jahre laufen lässt, versteht irgendwann, warum wir sagen: Die langweiligste Regel im System ist die mächtigste.
Für dein eigenes Depot
Du brauchst dafür kein 20-Titel-Depot, die Regel funktioniert ab der ersten Dividendenaktie: Jahresausschüttung durch zwölf teilen, Sparrate rauf, Wiedervorlage im nächsten Januar. Wenn du sehen willst, wie das in einem echten Depot mit echten Raten aussieht, welche 20 Titel bei uns bespart werden, warum Realty Income gerade die höchste Rate bekommt und welche vier Titel ab Jahr 12 keinen frischen Euro mehr sehen –, das steht im Depot-im-Detail-Beitrag (freischaltbar mit Talern, die es fürs Dranbleiben gibt, so funktioniert's).
Hinweis: Keine Anlageberatung; Modell- und Beispielrechnungen ohne Kosten und Steuern. Der Autor investiert selbst nach der beschriebenen Strategie. Details: Disclaimer & Risikohinweis.
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